6
6. ZEIT FORUM WISSENSCHAFT
vom 21. Oktober 2002
Die Hirnforschung stellt eine der ältesten Gewissheiten des Alltags zur Diskussion: dass Menschen aus freiem Willen handeln. Aus neurobiologischer Perspektive sprechen Befunde dafür, dass Entscheidungen und Handlungen durch Prozesse im Gehirn vorbereitet und bestimmt werden, bevor sie uns als bewusster Entschluss erscheinen. Damit rückt der freie Wille, wie ihn Philosophie, Recht und Moral voraussetzen, in die Nähe einer Illusion. Was zunächst theoretisch klingt, hat praktische Folgen: für unser Selbstverständnis ebenso wie für den Umgang mit Schuld, Verantwortung und Strafe.
Lässt sich die Existenz eines freien Willens überhaupt bestätigen oder ist Freiheit nur ein Gefühl? Was würde es bedeuten, wenn Handeln als Ergebnis von Determination beschrieben werden muss? Und wie verändern sich dann unsere Maßstäbe für Schuld, Strafe und moralische Bewertung von Fehlverhalten?
Expert:innen diskutieren, ob die Hirnforschung das Konzept persönlicher Verantwortung untergräbt oder ob sich Freiheit und Verantwortlichkeit auch unter naturwissenschaftlichen Bedingungen neu begründen lassen.
Es diskutieren:
- Prof. Ansgar Beckermann, Fakultät für Geschichtswissenschaft und Philosophie, Universität Bielefeld
- Prof. Klaus Günther, Institut für Kriminalwissenschaften und Rechtsphilosophie, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/M.
- Prof. Gerhard Roth, Institut für Hirnforschung, Universität Bremen
Moderation:
- Ranga Yogeshwar, Westdeutscher Rundfunk
- Andreas Sentker, Leiter Ressort Wissen, DIE ZEIT
DAS ZEIT FORUM WISSENSCHAFT IST
EINE VERANSTALTUNGSREIHE VON
IN KOOPERATION MIT





